WKO-Kammerumlage berechnen
Berechnung von Kammerumlage 1 und 2 sowie Grundumlage in Österreich, mit Beispielen und Befreiungstatbeständen.
Wer in Österreich ein Gewerbe ausübt, ist automatisch Mitglied der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Diese Pflichtmitgliedschaft entsteht mit der Gewerbeanmeldung und endet erst mit der Zurücklegung oder Ruhendmeldung des Gewerbes. Mit der Mitgliedschaft sind Beiträge verbunden, die als Grundumlage, Kammerumlage 1 (KU1) und Kammerumlage 2 (KU2) geleistet werden. Dieser Beitrag erklärt, wie sich die drei Beitragsarten zusammensetzen, wer sie zahlt und wie Sie sie in der laufenden Buchhaltung sauber erfassen.
Die Kammerumlage ist ein fixer Bestandteil der unternehmerischen Abgaben und gehört in jeden Überblick zur Lohnverrechnung und Personalverrechnung, weil die KU2 direkt an der Lohnsumme hängt.
Drei Beitragsarten im Überblick
| Beitrag | Bemessungsgrundlage | Wer zahlt |
|---|---|---|
| Grundumlage | je nach Branche und Bundesland fix oder umsatzabhängig | jedes WKO-Mitglied |
| Kammerumlage 1 (KU1) | Vorsteuern aus Eingangsrechnungen | Mitglieder mit Umsatz über 150.000 € |
| Kammerumlage 2 (KU2) | Bruttolohnsumme | Dienstgeber |
Aktuelle Sätze und Schwellen stehen auf wko.at .
Grundumlage
Die Grundumlage wird von der jeweiligen Fachgruppe in jedem Bundesland festgelegt. Sie liegt typischerweise zwischen 50 € und mehreren Hundert Euro pro Jahr und hängt von Branche und Betriebsgröße ab. Der Bescheid kommt direkt von der Fachgruppe und wird meist einmal jährlich vorgeschrieben.
Weil jede Fachgruppe eigene Tarife hat, kann ein Betrieb mit mehreren Gewerbeberechtigungen auch mehrere Grundumlagen zu tragen haben. Die Mehrfachmitgliedschaft ist in Österreich allerdings gedeckelt, sodass der Gesamtbeitrag begrenzt bleibt.
Kammerumlage 1 (KU1)
KU1 wird auf die abziehbaren Vorsteuern erhoben. Der Satz beträgt seit 2024 0,29 % der Bemessungsgrundlage (jährlich angepasst). Grundlage sind im Wesentlichen die Vorsteuern aus Eingangsrechnungen, aus der Einfuhrumsatzsteuer sowie aus dem Übergang der Steuerschuld (Reverse Charge).
Beispiel: Bei einer Vorsteuerbemessungsgrundlage von 200.000 € fallen rund 580 € KU1 an.
Wichtige Punkte:
- Pflicht ab 150.000 € Umsatz pro Jahr
- Berechnung quartalsweise gemeinsam mit der Umsatzsteuervoranmeldung
- Abführung an das Finanzamt, das die Mittel an die WKO weitergibt
- Erleichterungen für bestimmte Branchen
- Maximalbeträge je Stufe der Bemessungsgrundlage
Weil die KU1 an der UVA hängt, lohnt es sich, beide Termine im selben Quartalsrhythmus zu führen. Wie die Vorsteuer im Detail ermittelt wird, ist eng mit der allgemeinen Buchhaltung in Österreich verknüpft.
Kammerumlage 2 (KU2)
KU2 ist eine Lohnabgabe und wird auf die Bruttolohnsumme erhoben. Der Satz liegt aktuell bei rund 0,36 % bis 0,41 %, je nach Bundesland. Sie wird gemeinsam mit dem Dienstgeberbeitrag (DB) und dem Zuschlag (DZ) an das Finanzamt abgeführt.
Damit teilt die KU2 die Bemessungsgrundlage mit weiteren lohnabhängigen Abgaben. Wie sich DB und DZ konkret berechnen, lesen Sie im Beitrag zu Dienstgeberbeitrag (DB) und Zuschlag (DZ). Wer die gesamten Arbeitgeberkosten im Blick behalten will, findet einen vollständigen Überblick im Beitrag zu den Lohnnebenkosten für Arbeitgeber. Auf Gemeindeebene kommt zusätzlich die Kommunalsteuer hinzu, die ebenfalls an der Lohnsumme bemessen wird.
Befreiungen und Erleichterungen
- Neugründer profitieren im Gründungsjahr und teilweise in den Folgejahren von Befreiungen nach dem Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG)
- Vereine, die nicht gewerblich tätig sind, sind in der Regel nicht WKO-Mitglied
- bei Ruhendmeldung des Gewerbes können Beiträge entfallen
- bestimmte freiberufliche Tätigkeiten sind nicht WKO-pflichtig
Wer als Selbständiger außerdem die Sozialversicherung zu tragen hat, sollte die Kammerumlage gemeinsam mit den SVS-Beiträgen für Selbständige in die Liquiditätsplanung aufnehmen, da beide Vorschreibungen den unterjährigen Cashflow belasten.
Praxis-Empfehlungen
- Bescheide aufheben und in der laufenden Buchhaltung als Aufwand erfassen
- Quartals-KU1 in den Routine-Kalender für die UVA aufnehmen
- bei Wachstum die 150.000 €-Grenze im Blick behalten
- bei Lohnverrechnung KU2 nicht vergessen
- Detailfragen direkt mit der Fachgruppe klären
- WKO-Beiträge gegen Beratungsleistungen abwägen, die im Beitrag enthalten sind
Verbuchung
Die Beiträge werden auf einem eigenen Aufwandskonto erfasst, in der Regel im Bereich „Beiträge und Umlagen". Mehr zur sauberen Konteneinteilung steht im Beitrag zum Kontenrahmen und zur doppelten Buchführung .
Fazit
Die Kammerumlage ist nicht hoch, sollte aber nicht vergessen werden. Wer die Beiträge automatisiert erfasst, hält den Aufwand minimal. Preise ansehen .